Digitale Klone auf Knopfdruck: iQIYI provoziert Kontroverse um KI-Schauspielerdatenbank

Digitale Klone auf Knopfdruck: iQIYI provoziert Kontroverse um KI-Schauspielerdatenbank
KI-generiert / Nano Banana 2

Chinas Streaming-Riese iQIYI lanciert Nadou Pro. Die KI-Plattform ermöglicht das Klonen prominenter Schauspieler für Kurzfilme und wirft grundlegende Fragen zur Lizenzierung auf.

Der chinesische Streaming-Gigant iQIYI hat mit der Einführung seiner neuen Plattform Nadou Pro eine landesweite Debatte über die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Unterhaltungsindustrie entfacht. Der Dienst ermöglicht es Content-Erstellern, auf die digitalen Abbilder von über 100 chinesischen Prominenten zuzugreifen, um KI-generierte Dramen und Kurzfilme zu produzieren. Was technologisch als Meilenstein gefeiert wird, stößt bei Kreativen und Rechtsexperten auf heftigen Widerstand. Nadou Pro fungiert als Schnittstelle zwischen der physischen und der digitalen Performance. Nutzer können durch einfache Texteingaben, sogenannte Prompts, Szenen generieren und bearbeiten, in denen die digitalen Klone bekannter Schauspieler die Hauptrollen übernehmen. Dieses Tool zielt vor allem auf den boomenden Markt der Micro-Dramen ab, die in China via Smartphone konsumiert werden. Die Plattform ermöglicht nicht nur das Rendering visueller Merkmale, sondern auch die Nachahmung von Stimmen und Mimik, was die Erstellung hochwertiger Inhalte ohne physische Präsenz der Darsteller erlaubt. Die Kritik entzündet sich vor allem an der Frage der Kontrolle und der Souveränität über die eigene Identität. Kritiker werfen iQIYI vor, die Autonomie der Künstler zugunsten einer effizienzgetriebenen Content-Maschinerie zu opfern. Es besteht die Sorge, dass Schauspieler zunehmend durch kostengünstigere digitale Abbilder ersetzt werden könnten, ohne dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine faire Vergütung und den Schutz vor Missbrauch ausreichend geklärt sind. Das Management von iQIYI verteidigt den Vorstoß und betont den orchestralen Charakter des Tools. Laut Unternehmensangaben dient Nadou Pro primär als Vermittlungsplattform, die Verbindungen zwischen Rechteinhabern und Produzenten erleichtern soll, anstatt direkt Lizenzen zu vergeben oder geistiges Eigentum zu veräußern. Man verstehe sich als Enabler, der die Produktion skaliere und neue Monetarisierungsmöglichkeiten für Künstler schaffe, die ihre digitalen Zwillinge für autorisierte Projekte zur Verfügung stellen. Dennoch markiert dieser Fall einen Wendepunkt in der chinesischen Tech-Regulierung. Während die Cyberspace Administration of China bereits Richtlinien für Deepfakes und generative KI erlassen hat, zeigt die aktuelle Kontroverse Lücken bei der spezifischen Anwendung im Mediensektor auf. Die Branche blickt nun gespannt darauf, wie Pekinger Aufsichtsbehörden auf die Dynamik zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz von Persönlichkeitsrechten reagieren werden, zumal iQIYI als einer der Marktführer eine Signalwirkung für den gesamten asiatischen Raum besitzt.

Quelle: Channel News Asia

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